Diese Sendung wurde vom NDR
live untertitelt (30.09.2019) Preisirrsinn:
rauf und runter an der Tanke. Das ist reine Willkür. Und: Ferienfrust nach Thomas-Cook-Pleite: So leiden deutsche Urlauber. Das und mehr – jetzt in Markt. Guten Abend und willkommen. Es ist ein Auf und Ab: Hoch und runter
geht es mit den Spritpreisen. Das ist nicht neu. Doch so viele Preisänderungen
wie derzeit gab es noch nie. Es scheint
keine klare Struktur zu geben, wann es günstiger ist
und wann teurer. Viele Autofahrer haben das Gefühl: Die Mineralölkonzerne wollen
mit einer verwirrenden Preispolitik auf Kosten der Verbraucher
Kasse machen. Morgens billig, abends teuer? Oder umgekehrt? Chaos an den Zapfsäulen:
Ständig ändern sich die Spritpreise. Kaum jemand blickt durch. Oft ist es so, dass die Tankstellen
am Wochenende höher gehen. Früher war es verlässlich, dass es abends günstiger war
als morgens. Das ist heute nicht mehr so. Unverschämt. Ich ärgere ich mich darüber, dass ich nicht
am Wochenende tanken war. Da geht mir Knete flöten. Wann ist es günstig?
Gibt es noch den besten Tank-Tag? Markt beobachtet drei Wochen lang
die Preise, an vier zufällig
ausgewählten Tankstellen im Norden. Los geht’s morgens halb acht:
1,24 Euro für Diesel. 8.45 Uhr:
Es wird billiger – 1,21 Euro. Um 10.10 Uhr Preis-Rakete:
6 Cent rauf. Die Konkurrenz gegenüber
lässt sich zehn Minuten Zeit. Dann auch hier der Sprung:
4 Cent teurer. Drei Preisänderungen in drei Stunden. Ich finde das komisch und doof. Das ist ein Unding. Einmal am Tag sollte reichen. Da wird künstlich
was am Markt was gemacht. Ich finde nicht gut,
dass es so schwankt. Aber wenn wir fahren wollen,
müssen wir zahlen. Unsere Recherche zeigt: Den günstigen Tank-Tag
gibt es nicht mehr. Stattdessen –
täglich Berg- und Talfahrten. Etwa an dieser Total-Tankstelle: Um 6 Uhr wird es günstig, um 8 Uhr teuer. Um 9 wieder bergab,
um 11 wieder hoch. Sinkt, steigt, sinkt, steigt. Um 18 Uhr hat der Preis
seinen Tiefpunkt erreicht. Was glauben Kunden? Warum gibt es jeden Tag
viele Preissprünge? Keine Ahnung, die wollen
wahrscheinlich Geld verdienen. Ich hab keine Erklärung dafür. Die kaufen für einen gewissen Preis. Wieso müssen die an einem Tag
mehrfach gewechselt werden? Das ist Willkür,
um Kunden abzuzocken. Wir treffen den Entwickler
der Tankpreis-App clever-tanken.de, Steffen Bock. Er hat die Preissprünge
der letzten Jahre verglichen – mit verblüffendem Ergebnis. Etwa Aral in Hamburg:
Links das Auf und Ab 2016. Rechts September 2019. Wir hatten 2016
acht Preisbewegungen an einem Tag. Drei Jahre später an der
gleichen Station 17 Preisbewegungen. Die Anzahl hat sich verdoppelt. Das deutet darauf hin,
dass sich die Systeme optimieren und neue Preisstrategien
ausprobiert werden. Da reagieren vielleicht auch
Computer auf Computer. An unseren Test-Tankstellen gibt es durchschnittlich
13 Preisänderungen am Tag. Große Marken drehen oft zuerst
an der Preisschraube. Weil die über 2000 Stationen haben,
ist es gleich ein Pfund. Dann zieht der Andere
meist auch gleich nach. Dann ist der Markt
vorbereitet und entwickelt. Dann müssen andere
nur in das Fahrwasser einsteigen. Die kleinen Ketten erhöhen auch, senken aber
meist auch wieder als erstes. Alle Preise gehen an die
staatliche Markttransparenzstelle. Diese Daten nutzen
die Tankpreis-Apps. Da sieht man
die günstigste Tankstelle. Zu der fährt man hin.
Aber wieso sind die günstiger? Was soll das Auf und Ab? Das wollen wir
vom Mineralölverband wissen. Pressesprecher
Alexander von Gersdorff schiebt die Schuld
auf die Transparenz. Preise können heute
schneller verglichen werden. Das führt dazu, dass die
Preisübersicht für Anbieter wie für die Kunden
über ihre Apps größer geworden ist. In diesem harten Wettbewerb
sucht jede Tankstelle danach: Wo ist ihr perfekter Preis, dass sie die meisten Autofahrer
an ihre Tankstelle locken kann. Das führt zu dieser höheren Zahl
an Preisschwankungen. Mithilfe künstlicher Intelligenz
analysieren Tankstellenriesen die Verkehrsströme. Sie erhöhen die Preise dort,
wo es ihnen zu günstig erscheint. Kleine Ketten ziehen nach. Diese Strategie verschafft
Konzernen Milliardengewinne. Denn viele Kunden
zahlen auch höhere Preise. Ich achte nicht so auf den Preis. Mir ist wichtiger, dass ich Sprit habe
und der Bus nicht stehenbleibt. Das Gute an Shell hier ist:
Ich wohne hier in der Nähe. Ich tanke da, was am nächsten ist.
Ich schaue nicht so auf den Preis. Herbert Rabl vom Tankstellenverband
vertritt 1400 Tankstellenpächter. Er kritisiert
die ständigen Änderungen, oft ausgelöst von
den großen Mineralölgesellschaften. Die Pächter wissen weder wann,
noch warum sich Preise ändern. Die Pächter sind genauso überrascht
wie die Verbraucher, wenn die Preise Sprünge machen. Weil sie keinen Einfluss
darauf haben. Der Pächter kann das nicht erklären, weil er
die Preispolitik nicht kennt. Er weiß nicht weiß,
warum diese Sprünge stattfinden und steht
mit dem Rücken an der Wand. Er ist auch unwissend
und verärgert. Pächter verdienen
nicht am höheren Preis, sondern an der verkauften Menge. Die Mineralölkonzerne
zahlen ihnen eine Provision von 1 bis 2 Cent pro Liter: Egal, wie hoch der Verkaufspreis
an der Zapfsäule ist. Früher
wurde mit dem Ölpreis argumentiert. Heute gibt es eine neue Strategie. Es ist ein Marketing-Thema. Die Leute wollen,
dass man sich an eine Marke bindet. Und an dieser Marke kostet es
mal mehr, mal weniger. Kunden sollen
eine Tankstellenmarke anfahren, Sie sollen
nicht Preisvergleiche machen, wie das gewünscht wird
von der Markttransparenzstelle. Preise so oft ändern,
bis der Kunde verwirrt ist und auf Vergleichen
keine Lust mehr hat. Und wer dennoch
den günstigsten Preis sucht? Derzeit sieht es so aus, dass es meist relativ günstig ist
am späten Vormittag. Dann am frühen Nachmittag,
dann wieder am späten Nachmittag. Es kann sein, dass es kurz vor Abend
noch mal eine Preiserhöhung gibt. Also nach dem Abendessen
noch mal zum Tanken fahren. Nächste Woche kann das aber
wieder anders aussehen. Dann besser
auf E-Fahrzeuge umsteigen. Doch welche Probleme es
bei der Abrechnung von E-Autos gibt, erfahren Sie morgen früh
bei den Kollegen von NDR Info. Stürmisch, grau und nass
ist es derzeit draußen. Da zieht es viele in den Süden –
Sonne tanken. Doch seit letzter Woche
herrscht bei vielen Urlaubern Frust. Wegen der Pleite
des Reiseveranstalters Thomas Cook herrscht in einigen Ferienregionen
Chaos. Hotels müssen
doppelt bezahlt werden, Flüge wurden gestrichen. Markt war vor Ort. Unterwegs auf Mallorca –
hier lacht die Sonne. Doch vielen Touristen
ist zum Heulen zumute. Ich fühle mich im Stich gelassen. Die haben den Vertrag
mit der Einrichtung und kümmern sich nicht mehr drum. Schwangere brechen
vor der Tür fast zusammen. Das sind noch mal 1000 Euro. Das ist für eine Familie
kein Pappenstiel. Wir sind in Cala Millor
im Osten Mallorcas. Am Strand kaum was los. Aber vor diesem Hotel:
verzweifelte Urlauber. Die haben ihren Urlaub schon bezahlt. Jetzt will der Hotelier
noch mal Geld sehen. Der Urlaub ist gelaufen. Obwohl wir Rentner sind,
kommen wir kaputt heim. Wir sind keine, die noch arbeiten,
wir verkraften das nicht. Wie geht es Ihnen damit? Schlecht. (schluchzt) Herz-Aussetzer. Ich habe schon
Tabletten und Spray … Ich kann nicht mehr. Seit 17 Jahren
kommen die Rentner hierher. Fühlten sich immer willkommen. Jetzt hängt an der Tür
nur ein Zettel. “Ihr Aufenthalt
ist noch nicht beglichen. Wir möchten Sie bitten,
sich an die Rezeption zu wenden, um Weiteres zu klären.” Wir kamen nicht mehr ins Zimmer,
und dann sollten wir bezahlen. Wir haben erst mal nicht gezahlt, und wollten erst mal
mit dem Direktor sprechen. Das hat er dann gemacht. Dann habe ich mit ihm gesprochen,
auch wegen den Kindern. Die hatten nasse Badehosen,
wollten aufs Zimmer gehen. Er hat den Vorschlag gemacht,
dass wir da bezahlen müssen, obwohl wir eine Versicherung haben. Das muss bezahlt werden, weil er zusehen muss,
dass er seine Mitarbeiter bezahlt. Ich sage: Ihr seid ein Riesenkonzern,
wir sind Gäste, die wie Gäste
behandelt werden sollten. Ihr müsst euch darum kümmern,
dass ihr euer Geld bekommt. Und er hat gesagt: “Nee, ihr müsst bezahlen,
sonst kommt ihr nicht aufs Zimmer.” Sie zahlen schließlich. Andere Hotelgäste filmen, wie
Zimmerschlösser ausgetauscht werden. Diese Gäste waren nicht bereit,
die Extrakosten zu zahlen. Nach fünf Tagen Urlaub:
Flucht in eine neue Unterkunft. Wir hatten einen guten Kontakt
mit den anderen Gästen. Die sagten auch: “Passt auf,
unsere Karte wurde gesperrt.” Dann haben wir
unsere Sachen zusammengepackt und ins Auto gebracht. Wir haben einen Mietwagen, weil wir was
von der Insel sehen wollten. Als es so weit war,
hatten wir nichts mehr im Hotel. Da konnten sie uns nichts. Wir haben uns gefühlt
wie Schwerverbrecher, obwohl wir gezahlt haben
und versichert sind. Wir wollen
mit dem Hoteldirektor sprechen. Aber der lehnt ein Interview ab. Zahlen, Flüchten oder Aussitzen? Wie soll man sich
in so einer Situation verhalten? Wir fragen nach bei
der Verbraucherzentrale in Hamburg. Pauschalreisende, die aufgefordert
werden, noch mal zu bezahlen, sollten sich an die Versicherung
wenden. Die ist
im Sicherungsschein angegeben ist. Man sollte nicht noch mal zahlen. Wenn es keine
andere Möglichkeit gibt, sollten sie sich das
quittieren lassen. Dann können Sie es
bei der Versicherung einreichen. Für Katharina, Kevin
und Maila Hansen aus Norderstedt sollte es der erste schöne Urlaub
zu dritt werden. Eine Pauschalreise
von einer Thomas-Cook-Tochter: Neun Tage Playa de Palma. Wir haben uns darauf gefreut, weil wir zwei Jahre
nicht im Urlaub waren. Wir haben darauf gespart. Wir hatten eine schwierige Zeit,
bevor wir hergeflogen sind. Wir haben gehofft,
hier Ruhe zu finden. Direkt nach der Ankunft im Hotel
ist die Urlaubsfreude verflogen. Erst während die Hansens
im Flieger saßen, wurde ihre Reise gecancelt. Am Abend bekommen sie
eine Nachricht vom Anbieter. Man hätte die Reise
gar nicht antreten sollen. Statt Strand und Sonnenliege: Telefonstress
und endlose Warteschleifen. Nun fühlen Sie sich
komplett alleingelassen. Auf der Insel ist
kein Ansprechpartner mehr für uns. Weder die Reiseleitung im Hotel
noch das Reisebüro sind noch da. Vor Ort können wir
mit niemanden sprechen. Auch ihr Hotelier wollte sofort Geld. Die Familie mit den Nerven am Ende. Wir sind um drei losgeflogen nachts,
dann war es eine harte Nacht. Der Hotelier hat uns nicht
ins Hotelzimmer gelassen. Wir mussten sie
in der Lobby wickeln. Sie hat viel geweint. Wie kann man nur so ein Pech haben: An dem Tag losfliegen,
an dem die Pleite war. Die Hansens haben
ihre zusätzliche Hotelrechnung vor Ort gezahlt. Sie hoffen, dass der Rückflug
wie geplant stattfindet. Auch für Reisebüros
keine leichte Situation. Die Provisionen für verkaufte
Thomas-Cook-Reisen bleiben aus. Kunden sind verunsichert. Wir sind froh,
dass es einen Termin gibt, bis zum 31.10. aktuell,
dass Reise da nicht stattfinden. Alles was danach kommt,
können wir nur abwarten, was wir da an Infos bekommen. Auch hier immer wieder
verzweifelte Anrufer. Es gibt tragische Fälle: Familien die jahrelang
auf ihren Urlaub gespart haben. Die haben nicht die Möglichkeit,
in die Vorfinanzierung zu gehen und noch einen Urlaub zu buchen. Da sind wir auch Seelsorger
und versuchen zu beschwichtigen. Zurück auf Mallorca,
wir sind in Paguera. Unweit vom Strand ein Hotel, das massiv von der Pleite
von Thomas Cook betroffen ist. Auch die letzten Gäste
müssen bald gehen. Die Reiseleiterin war hier. Sie meinte, sie sei schon
in ihrer Freizeit hier und kann nichts mehr sagen. Hier gab es nur diesen Aushang, dass die Insolvenzversicherung
für Fragen da ist. An die sollte man sich wenden,
die war schwer zu erreichen. Zugleich teilte das Hotel mit, dass sie nach einer Übergangsfrist
schließen. Unser Hotel hatte
100 % Gäste von Thomas Cook. Wir mussten überlegen: Fliegen wir eigenmächtig zurück
oder suchen wir uns hier den Rest. Die Familie aus Hamburg
hat ein neues Hotel gefunden und wird bald umziehen. Immerhin:
Hier musste keiner doppelt zahlen. Auch für das Hotelpersonal
ist die Situation nicht leicht. Seit Tagen
keine Buchungen mehr bekommen, keine Menschen, keine Gäste. Das Hotel ist leer geworden. Leider können wir
so nicht lange halten. Wir haben noch 30 Personen hier. Dabei passen hier
über 150 Menschen rein. Jetzt müssen wir
am 1. Oktober schon zumachen. Die Saisonarbeiter
stehen vor einer schwierigen Zeit. Drei Monate arbeitslos gehen,
da geht das. Wenn jetzt ein Monat weniger,
dann wird der Winter lang. Der Eindruck auf Mallorca: Nach der Thomas-Cook-Pleite
gibt es nur Verlierer: Reisebüros, Hoteliers
und viele Touristen. Womöglich machen Sie gerade
das Gleiche wie ich: Gemütlich auf dem Sofa sitzen. Das ist oft
das Zentrum des Wohnzimmers, wenn nicht sogar der Wohnung. Somit ist das Sofa
das wichtigste Möbelstück. Das soll auch schick sein. Aber: Was oft gebraucht wird,
ist irgendwann abgenutzt. Wenn Ihr Sofa so aussieht,
könnte mal ein neues her. Ich hoffe, dass Sie
nicht so einen Ärger haben wie Familie Labitzky aus Pansdorf. Ann-Brit Bakkenbüll
hat sich um den Fall gekümmert. Markt mischt sich ein. Es ist nur eine Sofaritze. Aber je länger
sich Familie Labitzky die anschaut, desto größer ist der Ärger. Das neue Ecksofa für über 4300 Euro –
fehlkonstruiert. So haben wir das nicht bestellt. Wir haben es so bestellt, dass der Verlauf des Sitzkissens
hier abgeschlossen hätte. Wir sind ärgerlich darüber, weil eben auch der Sitzkomfort
erheblich eingeschränkt ist. Man fläzt sich auch mal hin
auf dem Sofa. Irgendwie rutscht man
dann immer in diese Ritze rein. Außerdem deutlich zu erkennen: Ein Schaden, der vermutlich
beim Transport verursacht wurde. Was war passiert? Im Februar dieses Jahres
suchen sich die Labitzkys im Möbelhaus Kabs
in Lübeck ein neues Ecksofa aus. Mit einer Verkäuferin
konfektionieren sie ihre neue Couch. Wir haben
den Vertrag unterschrieben. Auf dem ist eine handschriftliche
Zeichnung unseres Sofas. Dann haben wir
den Computerausdruck bekommen. Schon bei der Sichtung
des Ausdrucks ist mir aufgefallen, dass die Gestaltung
der Recamiere asymmetrisch ist. Ich habe die Verkäuferin
darauf hingewiesen. Die Verkäuferin versichert, dass die digitale Zeichnung
nur eine ungefähre Skizze sei. Geliefert werde
die von Hand gemalte Variante. Sie hat klar darauf hingewiesen,
dass es so ausgeführt wird wie im Vertrag,
mit der handschriftlichen Zeichnung. Denn dort ist das Sofa
richtig abgebildet. Einige Wochen später
kommt das Sofa zu Hause so an, wie auf dem PC-Ausdruck dargestellt. Bärbel Labitzky kontaktiert
sofort den Kundenservice. Der erkennt aber nur
den Transportschaden an. Die Labitzkys bleiben hartnäckig,
fühlen sich von Kabs hingehalten. Ich habe mit unterschiedlichen
Mitarbeitern verhandelt. Die waren alle nett und freundlich. Sie versprachen,
sich meiner Sache anzunehmen. Was aber nie erfolgte. Mein Wutpegel stieg. Ich finde das unglaublich, wie man
mit einem Kundeninteresse umgeht. Man hat mich hingehalten,
nicht ernstgenommen, vertröstet. Mittlerweile haben die Labitzkys
mehrfach ans Möbelhaus geschrieben, auch Fotos vom falschen Sofa
mitgeschickt. Der Kundenservice
von Kabs bleibt stur. Der behauptet,
man habe das richtige Sofa geliefert. Markt mischt sich ein. Ich möchte wissen, welche Rechte Kunden
in so einem Fall haben. Antworten suche ich bei
der Verbraucherzentrale in Hamburg. Grundsätzlich hat
der Kaufvertrag Gültigkeit, der wurde unterschrieben. Das ist das,
was vereinbart worden ist. Wenn es einen Zusatz
zum Vertrag gibt, dann mag der dafür sein,
dass etwas verdeutlicht wird. Aber erst mal gilt der Kaufvertrag. Für Kabs hatte bislang
offenbar der PC-Ausdruck Gültigkeit. Auf den hatte sich
das Unternehmen stets bezogen. Dann ist Kabs
in der Beweislast zu sagen, dass das Vertragsbestandteil ist. Wenn man sich abspeisen lässt
und geschrieben und telefoniert hat: Wenn die “Nein” sagen,
und man macht nichts mehr, dann freut sich der Verkäufer
und spart Geld. Hartnäckig bleiben. Wenn die andere Vertragspartei
sich nicht rührt, dann bleibt einem
nur ein Klageverfahren übrig. Ich frage bei Kabs an,
schildere den Fall. Ich bitte darum,
sich zurückzumelden. Kurze Zeit später
ruft mich das Möbelhaus an und möchte Stellung nehmen. Ich mache mich auf den Weg
zum Geschäftsführer in die Hamburger Filiale. Der Kundenservice
habe gemäß Aktenlage entschieden, erklärt er mir. Die Aktenlage hat ausgesagt, dass das geliefert worden ist,
was wir auch bestellt haben. Dass die Bearbeitung
so lange gedauert hat, das tut uns leid. Das liegt an der hohen Auftragslage, dass wir nicht genug Mitarbeiter
im Kundenservice haben. Nach erneuter Überprüfung des Falls sei das Unternehmen
zu einem anderen Ergebnis gekommen. Der Kundenservice habe
die Angelegenheit falsch bewertet. Wir haben uns
bei den Kunden entschuldigt für unser Fehlverhalten
und die lange Bearbeitungszeit. Wir haben die Kunden eingeladen, sich mit der Verkäuferin hinzusetzen
und das Modell neu zu planen. Mit dieser Lösung im Gepäck mache ich mich noch einmal
auf den Weg zu Familie Labitzky. Ich möchte wissen, ob sich das Paar bereits
mit dem Möbelhaus einigen konnte. Haben Sie denn schon
vom Unternehmen was gehört? Vor einigen Tagen
hat eine Dame von Kabs angerufen. Sie hat uns mitgeteilt, dass wir uns
ein neues Sofa aussuchen dürfen. Das wollen wir
in den nächsten Tagen tun. Ihr Sofa wollen die Labitzkys
schnellstmöglich austauschen lassen. Damit der Ärger
endlich ein Ende hat. Sie können demnächst gemütlich
auf ihrer neuen Couch sitzen. Wieder ein Fall gelöst. Auch nächste Woche
mischen wir uns wieder für Sie ein. Sollten Sie auch mal
alleine nicht weiterkommen, weil sich eine Firma
oder Behörde quer stellt: Dann mailen Sie uns: Bei mir gibt’s heute Karotten,
weil sie gesund und lecker sind. Doch bevor man sie verarbeitet,
stellen sich viele die Frage: Waschen, schrubben oder schälen? Ich entscheide mich immer
für die schnellste Variante. Gut abwaschen – fertig. So ist das Wurzelgemüse
noch gesünder, weil noch mehr Ballaststoffe
drin sind. Den Tipp hab ich
von einer Ernährungsexpertin, die weitere spannende Infos hat. Was steckt alles in Möhren? Und wie bereitet man sie
am besten zu? Markt will’s wissen. Karotten, Möhren, Wurzeln, Rüben:
Wurzelgemüse hat viele Namen. Es ist ein Klassiker
in der deutschen Küche, auf der Beliebtheitsskala
weit oben. Weil sie schön knackig sind. Ich esse gerne Karotten,
roh leider zu selten. Die sind süß
und haben nicht viele Kohlenhydrate. Gesund, aromatisch –
als Gemüse und als Salat. Spricht nichts dagegen. Auch Ernährungstherapeutin
Alina Kistenmacher aus Lübeck ist Karotten-Fan. Ich liebe Karotten,
mein Lieblingsgemüse, weil sie für alles einsetzbar sind. Man kann
mit Karotten alles machen. Sie schmecken gut und sind genial.
Ich liebe Karotten. Wenig Energie, wenig Kalorien,
hoher Wasseranteil. Supergut,
viele Vitamine, Mineralstoffe. Karotten gehen sogar zum Frühstück. Das würde dann so aussehen: Wir können sie im Porridge machen. Aber auch als Frühstücksmuffins
mit Haferflocken und Walnüssen, etwas Apfel mit drin. Alles ergänzt durch einen Smoothie,
eine Variante mit Karotte und Apfel. Mit Kurkuma und Ingwer drin
ist super Skinfood. Oder auch klasse fürs Immunsystem
für die Herbstzeit. Karotten, Äpfel, Eier, Walnüsse: Die Mini-Kuchen
bestehen aus gesunden Zutaten und brauchen keinen Zucker. Nicht jede Möhre ist gleich gut. Es gibt Unterschiede in der Qualität. Woran man die Besseren erkennt,
kann uns Christina Henatsch sagen. Sie züchtet Möhren
auf dem Gut Wulfsdorf in Ahrensburg. Die Möhre soll lang und glatt sein,
oben eine schöne Schulter haben. Die soll nicht grün sein. Wenn sie reif ist,
ist unten abgestumpft. Die ist so der Typ,
wie ich sie gerne hätte. Doch wie bei vielen Dingen kommt es auch bei der Karotte
auf die inneren Werte an. Wie ist das Verhältnis
von dem Herz zum Mantel? Wenn das Herz zu groß ist,
schmeckt sie wässrig und fade. Da sitzt aber auch der Ertrag. Ertragsstarke Möhren
haben oft ein großes Herz. Und wenn man
auf ein kleineres Herz züchtet, was für die Qualität gut ist,
geht die Quantität runter. Weil sie mild
und leicht süßlich schmecken, sind Möhren
schon bei Babys beliebt. Wofür sind Karotten gut,
was die Gesundheit angeht? Haben Sie eine Idee? Ich, ich …
Da kann man besser sehen. Vielleicht für die Haut?
Ceratin, Vitamin D? Für die Verdauung,
vor allem als Rohkost sehr gut. Stimmt alles. Fangen wir bei der Verdauung an. Karotten sind für Magen
und Darm perfekt geeignet. Die haben
einen hohen Ballaststoffanteil, auch einen hohen Pektin-Gehalt. Es sind unlösliche
und lösliche Ballaststoffe drin, sodass sie für Darmbakterien
super als Futter dienen. Die verstoffwechseln
die Ballaststoffe und pflegen
damit unseren Darm. Auch für die Augen
sollen Karotten gut sein. Wenn ich regelmäßig Karotten esse,
nehme ich viel Vitamin A auf. Das ist wichtig für
die Zellregeneration in den Augen. Durch das Betacarotin
wird die Sehkraft besser, wenn ich häufig
und viel Karotten essen. Immer häufiger sieht man das Gemüse
nicht nur im typischen Orange. Es gibt sie auch
in Gelb, Rot und Lila. Wie kommt’s? Keine Ahnung. Eventuell sind die
schon länger in der Erde. Oder weniger lang. Das weiß ich nicht. Das sind einfach andere Arten –
ältere Arten. Ursprünglich waren Karotten
weiß oder violett. Erst im 16. Jh. züchteten Holländer
die orangefarbene Karotte. Jede Sorte schmeckt anders: Gelbe Möhren sind weniger süß,
eignen sich daher für Eintöpfe. Violette Möhren
schmecken besonders süß und saftig. Beim Kochen verlieren sie ihre Farbe. Karotten haben dem Provitamin
Betacarotin seinen Namen gegeben. Die lilafarbenen und violetten Sorten
enthalten besonders viel des zellschützenden Farbstoffes. Betacarotin ist sehr gut
für den Zellschutz der Haut. Wenn wir in die Sonne gehen,
dann ist gut, damit man
keinen Sonnenbrand entwickelt. Um die Zelle zu schützen
vor UV-Strahlen und sich wieder
regenerieren zu können. Kein anderes Gemüse enthält
mehr Betacarotin als Karotten. Aber wie kriegen wir
davon am meisten aus der Möhre? Aus dem Acker, abwaschen,
rein in den Hals. Wenn ich die einfach nehme und esse.
Roh? Ja. Die Möhre, die was bewirken will,
muss gekocht sein. Mit Fett zusammen,
Butter oder so. Für die fettlöslichen Vitamine A,
D, E und K brauche ich Fett dazu, um die gut aufnehmen zu können. Das klappt am besten,
wenn die Möhren gegart sind. Auch das Betacarotin nimmt der Körper am besten
mit etwas Öl auf. Etwa als Ofengemüse. Jetzt kommt hier
großzügig Olivenöl drüber. Dann alles durchmischen. Das Gemüse mit Salz, Pfeffer,
Rosmarin und Thymian würzen, alles in eine Auflaufform legen,
mit Ziegenkäse garnieren. Dann bei 200 Grad
etwa 25-30 Minuten backen. Eine Frage noch: Was machen Sie mit dem Karottengrün? Äh, das ist meist schon entfernt. Ich würde es wegschmeißen. Ich kaufe nicht
die mit dem Karottengrün. Wussten Sie,
dass man das essen kann? Nicht wirklich. Hasen ja, ich nein. Wir müssen es mitverwenden,
weil es ist vielseitig einsetzbar. Wir können es in Pesto verarbeiten. Wir können es in einem
grünen Smoothie einsetzen. Wegen des hohen Eisengehalts
ist es ein super Lebensmittel. Und wegen der Bitterstoffe
ist es perfekt für die Leber. Ein grüner Smoothie mit Karottenkraut
ist schnell gemacht. Etwas Gurke, mit Limette, mit Apfel,
ganz toll … Einfach in den Smoothie-Maker,
schreddern und kühl halten. Mit ein bisschen Wasser auffüllen –
genial. Kalorienarm, lecker und gesund: Von diesem Wurzelgemüse
kann man kaum zu viel essen. Die Rezepte aus dem Film
und weitere leckere Karottengerichte finden Sie auf ndr.de/markt. Sich Geld von der Bank zu leihen,
ist derzeit so günstig wie nie. Für viele ist die Verlockung groß, eine teure Anschaffung
per Kredit zu finanzieren. Doch auch der muss abbezahlt werden. Oft ist die Dauer
der Tilgung auf Jahre angesetzt – eine lange finanzielle Belastung. Doch wer weiß,
was die Zukunft bringt? Ob ich immer
die Raten bezahlen kann? Viele glauben, sich mit einer
Restschuldversicherung zu schützen. Schulden machen ohne Risiko.
So einfach ist es nicht. Karl-Heinz Koos wollte
auf Nummer sicher gehen, als er vor zwei Jahren
diesen Dacia finanzierte. Auf Pump – mit einer Schlussrate
von 5000 Euro. Die Monatsrate von 200 Euro
ist für ihn kein Problem. Bis er dann Anfang
des Jahres seinen Job verlor. Es war Existenzangst. Wie ich jetzt
mein Leben weiter finanzier. Wie ich das Auto finanziere,
wie ich die Wohnung finanziere. Ich hab damals 2000 Euro verdient und hab vom Arbeitsamt
nur 1100 Euro bekommen. Zum Glück hatte er
eine Restschuldversicherung, dachte sich Karl-Heinz Koos. Der Verkäufer hat mich
drauf aufmerksam gemacht: Ich muss die abschließen, sonst kriege ich
das Auto nicht finanziert. Ich hab gefragt,
ob Arbeitslosigkeit abgesichert ist. Da hat man mir gesagt: Genauso krankheitsmäßig
und todesfallmäßig. Da war die Sache
für mich erledigt. Ein Irrglaube. Als Karl-Heinz Koos
wenig später seinen Job verliert, meldet er es der Versicherung. Ich dachte: Die 207-Euro-Rate
hab ich von der Backe. Die brauche ich nicht aufbringen. Ich hab 200 Euro mehr zum Leben. Als die Absage kam, ist für mich ‘ne Welt
zusammengebrochen. Im Kleingedruckten
steht eine Altersbeschränkung. Die Versicherung zahlt nicht für Kreditnehmer
ab dem 55. Lebensjahr. Karl-Heinz Koos
war bei Vertragsabschluss älter. Ich hab gesagt,
ich bin am 17.05.1960 geboren. Der hat alles eingetragen
und ich hab ihn drauf hingewiesen: Ich will
‘ne Arbeitslosenversicherung, Sterbe- und Krankheitsversicherung. Ich dachte,
der Verkäufer hätte Ahnung. Er hätte mir den Vertrag
nicht geben dürfen. Der Verkäufer hat das gewusst. Der wollte
seine Provision kassieren. Geschichten wie diese
kennt Sandra Klug viele. Mit den Marktwächtern Finanzen
hat sie in einer Studie untersucht, was die Versicherung
den Kunden überhaupt bringt. Der Marktwächter Finanzen hat
bei Versicherungen nachgefragt. Wenn jemand einen Antrag stellt:
Zahlt ihr dann auch? Wir haben festgestellt, dass viele Versicherer
nicht in jedem Fall zahlen. Auch bei Todesfall
wird nicht zu 100 % gezahlt. Das kann daran liegen,
dass die Bedingungen so sind, dass nicht geleistet werden muss. Ein paar Beispiele: Bei Arbeitslosigkeit: Zahlung erst nach sechs Monaten
oder nur für ein Jahr. Arbeitsunfähigkeit
wegen Rückenleiden: ausgeschlossen. Herzerkrankungen: ausgeschlossen. Krebserkrankungen: ausgeschlossen. Todesfall: zu spät gemeldet. Wenn man sich anguckt,
was die Verbraucher an Beiträgen zu dieser Versicherung leisten
und was als Risiko abgedeckt wird: Was eingezahlt wird, steht im krassen Missverhältnis
zu dem, was ausgezahlt wird. Ihr Fazit: Teuer und oft nutzlos
für Verbraucher. Dafür lukrativ für Banken. Laut einer Studie der Bankenaufsicht kassieren die als Verkaufsprovision
bis zu 75 % der Versicherungssumme. Verbraucher merken oft nicht, wie stark ihr Schuldenberg
durch die Versicherung wächst. Anwalt Achim Tiffe
findet die Methode rücksichtslos. Restschuldversicherungen
sind oft überteuert. Sie sind so teuer, dass wir sie
für sie sittenwidrig halten. Die Versicherungen wurden
in den letzten Jahren ausgehöhlt. Es gibt kaum Versicherungsschutz. Und was abgesichert wird,
tritt selten ein. In den meisten Fällen
dient es dazu, das Kreditvolumen aufzublähen
und die Kosten zu steigern, damit die Bank mehr verdient. So war es auch bei Holger Kanus. Vor 15 Jahren beginnt
sein Weg in die Verschuldung. Bei einem Kredit von 19.000 Euro kommt eine 3500 Euro teure
Restschuldversicherung hinzu. Wir waren frisch verheiratet
und unser zweites Kind kam. Meine Frau hat nicht gearbeitet,
ich war Alleinverdiener. Man braucht das Geld,
uns stand das Wasser bis zum Hals. Da unterschreibt man fast alles. Holger Kanus ist Kunde der Citibank,
die heute Targo-Bank heißt. Damals wie heute wirbt die Bank
mit flexiblen Krediten. Bei unerwartetem Ausgaben sorgt
der Wie-für-dich-gemacht-Kredit für eine Verschnaufpause. Dank Ratenpause. Dazu flexible Laufzeiten
und günstige Zinsen. In den Folgejahren kommt die Bank
immer wieder auf ihn zu. Bietet Umschuldungen, neue Kredite. Ich hab mich stark
einschränken müssen. Das Billigste vom Billigen
oder keinen Urlaub machen. Das waren alles Sachen,
auf die wir verzichten mussten. Sonst wär’s nicht möglich gewesen. Ich bin nie in Verzug geraten. Ich bin einer,
der seine Schulden bezahlen will. Am Ende muss Holger Kanus
pro Monat 1500 Euro an Raten zahlen. Trotzdem ist seine Schuld
auf fast 100.000 Euro gewachsen. 20.000 davon alleine durch Kosten
der Restschuldversicherungen. Die Mitarbeiter
waren darauf aus, dieses Produkt zu verkaufen,
auf Biegen und Brechen. Es war bei jeder Kreditberatung
derselbe Ablauf. Zur Kreditentscheidung
ist der Mitarbeiter in einen separaten Raum gegangen. Man hat da so 20-30 Minuten
alleine gesessen. Ich hatte Bauchschmerzen, bevor ich
zu so einem Gespräch gegangen bin. Das hat System, meint Tiffe. Bei vielen seiner Mandanten werden alle paar Jahre neue Kredite
für dieselbe Schuld aufgesetzt. Jedes Mal mit
einer neuen Restschuldversicherung. Es ist nicht verwerflich, wenn eine Bank einen Kredit gibt
und damit Geld verdient. Das ist das Geschäft der Banken. Aber die, die hilfloser sind
oder Verträge nicht genau lesen, so lange auszubeuten,
bis sie nicht mehr können. Das ist eine Katastrophe, dass das in Deutschland
so zugelassen wird. Die Targo-Bank schreibt uns dazu:
Holger Kanus habe sich … Und zu den Kosten
der Restschuldversicherung: Die ergeben sich
aus verschiedenen Faktoren. Sie spiegelten … Eigentlich soll
eine Restschuldversicherung Verbraucher
vor Überschuldung schützen. Doch das Gegenteil
ist offenbar häufig der Fall. Deshalb will das Justizministerium
jetzt die Verkaufsprovision für Restschuldversicherungen deckeln,
auf 2,5 % des Kreditbetrages. Zu spät für Holger Kanus. Er klagt auf Rückabwicklung
seines Kredites. Die Kosten dafür seien Wucher,
meint Anwalt Achim Tiffe. Karl-Heinz Koos bekommt mithilfe
der Verbraucherzentrale Lüneburg gezahlten Prämien zurück –
immerhin 1136 Euro. Eine Versicherung,
von deren Leistung er bei Vertragsabschluss
ausgeschlossen ist: Die hätte ihm
nicht angeboten werden dürfen. Gleich zeigen wir, wie Sie mit etwas Einsatz
ein Glas Honig bekommen können. Nach dem Programmhinweis. Bekommen Sie von Ihrem Arzt
immer das beste Medikament? Oder bekommen Sie das, wofür die Pharmaindustrie
am besten geworben hat? 45 Min –
Patienen, Pillen und das große Geld: Ein Glas Honig kostet 8-12 Euro –
nicht ganz billig. Es gibt aber Menschen,
die sind bereit, mehr als das Zehnfache zu zahlen. Warum sollte man das tun? Sie sind der Grund: Bienen und andere Insekten sind
in letzter Zeit weniger geworden. Damit sich das ändert,
brauchen sie mehr blühende Wiesen. Da setzt ein Landwirt an. Eine gute, weil nachhaltige Idee,
findet Markt. So viel war auf dem Feld in Sanitz
lange nicht mehr los. Große Besucher,
die es kaum glauben können … Ist das Hafer? Ja. Guck mal Marthe,
die blüht gerade noch. … und kleine Besucher. Die hatten lange nicht mehr
so viel Abwechslung hatten. Das ist die Phacelia,
die blüht recht lange. Die fängt unten an zu blühen,
und das geht bis oben. Dadurch haben die Bienen
lange was davon. Zwei Hektar Brachland
inmitten abgeernteter Felder. Früher hat Landwirt Christian Zehe
dafür Fördergeld vom Land bekommen. Das lief aus. Also fragte er Menschen
aus der Umgebung, ob sie die Patenschaft
für ein Stück Land übernehmen würden. Die Idee der Bienenaktie war geboren. Ich stelle meinen Acker
zur Verfügung. Die Leute geben mir Geld dafür,
dass ich das Feld bestelle. Und sie können bestimmen, was. Und da sie
‘ne Bienenaktie gekauft haben, leg ich ‘ne Bienenweide an. 125 Euro kostet die Bienenaktie,
also eine Parzelle Land, pro Jahr. 40 Aktionäre hat die Idee überzeugt,
viele kamen schon vorbei. Wir haben Mohnblumen gesehen,
Kornblumen, Phacelia, Sonnenblumen. Wir haben unterschiedlichste
Hummel-Arten gesehen. War sehr artenreich und groß. Blumenpflücken
ist aber streng verboten. Die sind für die Bienen da. Gustav und Marthe haben
im Bio-Unterricht gelernt, wie wichtig die Insekten sind. Die ganze Klasse wollte mitmachen. Das Geld für die Aktie haben sie
beim Kartoffelsammeln verdient: Wir haben die an Eltern verkauft,
an Familienmitglieder, auch an Bekannte
und in der Schule an Lehrer. Pro Kilo ein Euro. Aber sie haben oft aufgerundet,
damit wir mehr kriegen. Im nächsten Jahr wollen sie
wieder Bienenaktien kaufen. Das Geld dafür
haben sie schon zusammen. Auch die anderen
wollen wieder investieren. Nicht nur, weil es als Dividende
ein Glas Honig gibt. Selbstgeschleudert natürlich. Der Honig
spritzt jetzt gegen die Wand. Hobbyimker Christian Zehe
zeigt seinen Aktionären, wie das geht. Und die finden: Die Investition
in die Natur hat sich gelohnt. Bei Spendengeldern
hat man manchmal das Gefühl, das versickert
in irgendwelchen Kanälen. Man kann den Erfolg
nicht richtig sehen. Hier kann man einfach hinfahren. Die Aktionäre,
die Bienen und der Landwirt, alle sind zufrieden. Das Projekt Bienenaktie läuft. Auf unserer Internetseite auch: Da laufen alle wichtigen Infos
zu unserer Sendung zusammen. Schauen Sie also gerne mal rein: Das war’s von uns für heute. Hier geht’s weiter
mit den Garten-Docs. Was tun, wenn der Zierstrauch
sich beim Wachstum ziert? Wenn der Rasen vermoost ist und der Dünger
nur das Unkraut sprießen lässt? Dann kommen
die Garten-Docs zum Einsatz. Ran an die Gartenprobleme!
Viel Spaß. Copyright Untertitel: NDR 2019